Zwei Standards, zwei Blickwinkel
IATF 16949 definiert Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem in der Automobilindustrie — aufbauend auf ISO 9001, mit starkem Fokus auf Prozesslandschaft, Kundenanforderungen, Fehlervermeidung (z. B. FMEA), Korrekturmaßnahmen und kontinuierliche Verbesserung.
Automotive SPICE bewertet dagegen die Reife einzelner Engineering- und Support-Prozesse für Systeme und Software. IATF fragt „Ist Ihr QMS wirksam?“, ASPICE fragt „Ist Ihr Software-Engineering-Prozess wiederholbar und etabliert?“.
Die Überlappung gezielt nutzen
Mehrere Themen tauchen in beiden Welten auf: Problem- und Fehlermanagement (SUP.9 ↔ IATF-Korrekturmaßnahmen/8D), Konfigurations- und Änderungsmanagement (SUP.8/SUP.10 ↔ Änderungslenkung) sowie Risikomethoden (DFMEA, MAN.5 ↔ IATF-FMEA-Anforderungen).
Wer seine Nachweise einmal sauber und verlinkt aufbaut, kann sie für beide Auditarten verwenden — statt parallele, voneinander abweichende Ablagen zu pflegen. Eine gemeinsame Traceability-Basis verhindert genau diesen Drift.
Praktische Konsequenz
Statt IATF und ASPICE als getrennte Projekte zu behandeln, lohnt sich eine integrierte Nachweisstruktur: 8D-Reports, Change Requests, Risikobewertungen und Testnachweise referenzieren dieselben Artefakte. Das reduziert Pflegeaufwand und erhöht die Konsistenz, die beide Auditarten honorieren.
- IATF 16949 prüft das QMS, ASPICE die Reife der Engineering-Prozesse — sie ergänzen sich.
- Problem-, Change- und Risikomanagement überlappen stark; Nachweise lassen sich gemeinsam nutzen.
- Eine integrierte Traceability-Basis verhindert doppelte, widersprüchliche Ablagen.

Über den Autor
Rainer Hampicke
Rainer Hampicke ist Gründer von Hampa Core Quality. Er bringt über 25 Jahre Erfahrung in der Automobilindustrie mit — frühere berufliche Stationen u. a. bei ZF, Johnson Controls und Kautex Textron. Heute begleitet er Zulieferer und Deep-Tech-Unternehmen persönlich als strategischer Berater zur Audit-Readiness.